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Hallo erstmal,

also, ich bin der Karl, inzwischen 52 Jahre jung, geschieden und wohne seit 3 Jahren neuerdings in Düsseldorf. Im Rahmen meiner extrem langen Drogenkarriere, die ja schon in den berühmten 68ern anfing, habe ich ein sehr buntes und bewegtes Leben geführt. Zuerst habe ich mich für das Studium der Sozialarbeit entschieden. So hab ich 1975 auch in der Drogenberatungsstelle Düren ein einjähriges Praktikum absolviert. In dieser Zeit war ich weitgehend drogenfrei. Zum Ende hin habe ich mir jedoch irgendwie die Hepatitis A eingefangen und musste für 4 Monate auf eine Isolierstation.
Danach habe ich mehr aus Neugier auch mit harten Drogen,Opium, Heroin und Kokain experimentiert. Hierbei habe ich mich ganz klar überschätzt und bin dann auch abhängig geworden. Nicht sofort, sondern langsam, schleichend und ziemlich heimtückisch. Ansonsten führte ich ein seltsames Doppelleben. Studium und eine langjährige Beziehung mit einer völlig drogenfreien (auch kein Tabak und kein Alkohol) Lebensgefährtin. Natürlich bekam ich aber zunehmend Probleme mit meiner eskalierenden Abhängigkeit, die ja auch immer mehr meine Beziehung belastete. Gesundheitlich folgte dann bei mir auch die Hep-B, die sich leider auch chronisch entwickelte. Hier musste ich zwischenzeitlich auch mal für kurze Zeit ins Krankenhaus. In diesem Krankenhaus kam es dann zu einer bemerkenswerten Fehldiagnose, wo man mir zwischenzeitlich mitteilte, dass ich mir höchstwahrscheinlich die Non A-Non B eingefangen hätte und meine Blutwerte als sehr bedenklich eingestuft werden müßten. Mir wurde dringend eine Biopsie nahe gelegt. Während ich mir noch die Biopsie überlegte, entrutschte einem neuen Stationsarzt zwischendurch eine für mich folgenschwere Bemerkung, dass in meinem Fall sowieso nicht mehr viel zu machen wäre und mir eine Lebenszeit von maximal 2 Jahren eingeräumt wurde. Daraufhin verließ ich das Krankenhaus auf eigene Verantwortung, um meine letzten Tage und Monate noch irgendwie zu genießen. Habe auch schon einen Flug nach Thailand gebucht mit der Zielsetzung, dort noch Schönes zu erleben und mein drohendes Ende selber mit diversen Mitteln leicht und weitgehend streßfrei zu gestalten. Meine Eltern erahnten jedoch irgendwie meine Absicht und verhinderten diesen Abflug in letzter Minute. Trotz einer recht ungesunden Lebensführung mit noch mehr Drogen (hatte ja auch nichts mehr zu verlieren) besserten sich mein gesundheitlicher Zustand und meine Leberwerte erheblich. Deshalb bekam ich zunehmend den Eindruck, dass die mir zuvor mitgeteilte Diagnose vielleicht doch nicht richtig war. Nach weiteren medizinischen Abklärungen in anderen Kliniken wurde dann schließlich lediglich eine chronisch persistierende Hep-B diagnostiziert, aber nicht mehr diese Non A - Non B.

Zwischenzeitlich war ich aber bereits richtig suchtkrank geworden. Eine Krankheit, die ebenfalls oft genug tödlich endet. Nebenbei kommt es auch schon fast zwangsläufig zu Konflikten mit der Justiz. Daraus ergaben sich auch für mich einige längere Aufenthalte in geschlossenen Häusern, Knast und Psychiatrie und Zwangstherapie. Mein Studium musste ich dann zwangsläufig beenden wie auch meine Beziehung zu meiner damaligen Lebensgefährtin. An Motivation und guten Absichten, mein Leben doch noch in gute Bahnen zu lenken, hat es bei mir nie gemangelt. Leider gestaltete sich die Umsetzung der positiven Absichten als äußerst schwierig. Immer wieder neue Ansätze, dann die Rückfälle usw. Ein unglaublich schwieriger Kampf, oft genug auf Messer´s Schneide. Mehrere komatöse Vorfälle und Rettungen in letzter Minute oder sogar Sekunde. Einmal bereits etwas voreilig für tot erklärt worden. Trotzdem habe ich immer wieder versucht, auch ein halbwegs normales Leben zu leben. Langjährige Beziehung und Ehe mit einer Pharmazeutin, erneutes Studium, Sozialwissenschaften, das ich aber ebenfalls vorzeitig abbrechen mußte.

1997 habe ich mir dann die Hep-C mittels einer offensichtlich verunreinigten und infizierten Nadel eingefangen. Trotz guter Kenntnisse in Sachen Risiken und Vorbeugung habe ich da noch nicht so genau gewußt, dass Hep-C- Viren auch über 100 Grad überstehen. Eigentlich ist es nur deshalb zu einer Infektion gekommen.

Erst vor wenigen Jahren ist mir ein scheinbar endgültiger Ausstieg aus meiner Sucht gelungen. Es bleibt der Rückblick auf einen Scherbenhaufen. Ansonsten habe ich aber auch neue künstlerische Fähigkeiten und Talente bei mir entdeckt. Beschäftige mich verstärkt mit Literatur und habe auch schon zahlreiche Lesungen mit musikalischer Begleitung abhalten dürfen. Nebenbei den Ingeborg- Drewitz Literaurpreis erhalten. Vor ca. 3 Jahren habe ich mich dann zu einer IFN-Standardtherapie entschlossen, obwohl mir zwei Internisten davon abraten wollten. Meine Leber war ja noch im relativ gutem Zustand und sie sahen halt keinen dringenden Handlungsbedarf. Eine Düsseldorfer Ärztin hatte mir dann diese Therapie angeboten und mich auch in meinem Vorhaben bestärkt. Deshalb hatte ich auch keine Zweifel hinsichtlich ihrer Kompetenz. Ein fataler Irrtum. Nach 50 Wochen Therapie wurde ich in eine Fachklinik überwiesen, nachdem mir zum Ende hin mitgeteilt wurde, dass die Viren angeblich unerwartet wieder aufgetaucht wären. In der Fachklinik musste ich dann erfahren, dass meine Therapie bei dieser Ärztin eine komplette Fehlbehandlung war und folglich auch gar nicht wirken konnte. Versehentlich, oder wie auch immer, muss ich wohl das alte Ineterferon (also nicht das pegylierte) in völlig falscher Dosierung erhalten haben. Anstatt einmal hätte ich es mindestens dreimal die Woche gespritzt bekommen müssen. Ein unglaublicher Fehler, wenn der Arzt noch nicht mal die übliche Dosierung kennt. Habe mich dann völlig frustriert und überstürzt in eine weitere Studie und Behandlung begeben, wo zusätzlich zu der Standardtherapie mit Pegasys + Ribavirin auch noch Amantadin eingesetzt wird. Obwohl das Amantadin die Nebenwirkungen eigentlich abschwächen soll, war es bei mir nicht der Fall. Im Gegenteil. Ich bekam starke Schwindelanfälle, Kreislaufabstürze, Herzbeschwerden und zeitweise echte Todesängste. Und schwerste Depressionen. Trotzdem habe ich mich da irgendwie durchgekämpft.
Leider bin ich erst spät mit meiner Viruslast unter die Nachweisbarkeitsgrenze gerutscht. Es war absehbar, dass leider auch diesmal kein endgültiger Erfolg erzielt werden konnte. Ich hätte höchstens auf 72 Wochen verlängern müssen, was aber im Rahmen einer Studie so nicht möglich ist. Auch hätte ich es rein körperlich nicht mehr geschafft. Meine Belastungsgrenze war schon zu der Zeit eindeutig überschritten. Deshalb habe ich die Studie nach 42 Wochen abgebrochen. Jetzt muss ich mich erstmal richtig von der Therapie erholen. Und das passiert bei mir sehr langsam. Vor allem sind die psychischen Auswirkungen sehr schwierig und nicht so leicht zu beheben. Irgendwann werde ich wahrscheinlich einen neuen Versuch starten. Vielleicht aber erst in 2 oder 3 Jahren, wenn neue Medikamente, etwa VX 950 oder was anderes verfügbar werden. Noch darf ich hoffen. Versuche einfach gesund zu leben - und der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.
Karl