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Marita Wolf, Velen
"Tja, Frau Wolf soweit ist alles in Ordnung, bis auf zwei Leberwerte, die ich im Moment nicht einzuordnen weiß". Auf die Frage, was heißt das genau, antwortete er:" Das heißt, im Prinzip sind Sie mit ihren 46 Jahren eine gesunde Frau, bis auf ihre GOT und GPT Werte. Ich würde vorschlagen, wir lassen diese Werte über einen Zeitraum vAon ca. 6 Monate im 4-6 wöchigen Rhythmus weiter beobachten, um dann eine Verlaufskontrolle zu haben. "Klar mach ich, es muss ja einen Grund für geben". Von diesem Tag an haben mich meine erhöhten Leberwerte beschäftigt "Was kann das sein...?" Da ich nur gelegentlich Alkohol zu mir nahm, schied das aus. Zu fettes ungesundes Essen....? könnte sein. Weiter kam ich aber mit meinen Gedanken nicht. Um dann überhaupt was zu tun, bin ich dazu übergegangen meine normale Mischkost auf fettarme, gesunde Ernährung umzustellen. Nach einiger Zeit fühlte ich mich auch zunehmend besser und war schon guter Dinge, was die nächste Blutabnahme anging. Bestätigung kam dann auch bald, die Werte waren gefallen, aber immer noch aus der Norm. "Wir sehen uns in 6 Wochen wieder...." O-Ton Arzt. Nach einem halben Jahr, ergab die Verlaufskontrolle: ständige, leicht schwankende über der Norm liegende GOT/GPT Werte, alles andere okay.
Mein Internist unterbreitete mir dann:" Frau Wolf, ich will Sie nicht beunruhigen, aber ich habe so einen Verdacht und wir sollten mal zur Vorsicht einen Antikörper- sowie einen HIV Test machen lassen, mal schauen ob uns das Klarheit bringt". Zum ersten Mal beschlich mich ein ungutes Gefühl von "Irgendwas stimmt doch hier nicht, was geht denn hier ab...??"
Der Termin beim GastroDoc war dann sehr aufschlussreich. Anhand der Fragestellung merkte ich gleich, hier bin ich richtig. Vieles konnte ich mit ja beantworten: "Sind Sie häufig müde, was ist mit ihrer Konzentration, der Merkfähigkeit ..?" Mutig geworden, fragte ich nach: "Wie ist es mit meinen Wortfindungsstörungen, fällt das auch unter HCV?" Ich bekam zur Antwort:" Auch das können typische Beeinträchtigungen der chronischen Hepatitis C sein." So sehr wie ich mich auch immAer über Sprüche meiner Mitmenschen wie: Wohl nicht ganz bei der Sache heute! Stress gehabt? Mit Dir ist auch nicht mehr viel los! geärgert habe - hier bekam ich eine Ahnung, woher diese unklaren Beschwerden herrühren könnten. Wir vereinbarten dann noch einen ambulanten OP Termin
zwecks Gewebsentnahme, um über meinen tatsächlichen Leberzustand genauere
Auskünfte zu erhalten. Zu meiner noch ausstehenden Genotypbestimmung meinte er noch: " Ach ja, bei ihrer langen Infektionszeit, gehen Sie schon mal von Typ 1 a oder b aus, ist eher ungünstig und für den Fall der Therapieentscheidung, schwer zu behandeln..." Ein paar mutmachende Wort noch, ein freundliches Schulterklopfen und der Termin war beendet, na toll!
Die ultraschallkontrollierte Leberblindpunktion ließ ich dann am Dienstag, den 02.07.02 vornehmen. Sie war überhaupt nicht schmerzhaft, kleiner Pieks und das war's auch schon. Gelangweilt und anstrengend war ich nur, durch das anschließende auf dem Sandsack liegen. Na ja, nach 3 Std. war das dann auch überstanden, noch ein Ultraschallbild gemacht und ab nach Hause.
Vorbereitungen mussten getroffen werden. Als erstes informierte ich meine Familie und enge Freunde. Meinen Arbeitgeber hab ich, ohne die Diagnose zu nennen, über eine bevorstehende Behandlung in Kenntnis gesetzt. Über möglichAe Nebenwirkungen, eventuellem Arbeitsausfall und häufigen Fahrten zwecks Labordiagnostik wurde er auch unterrichtet. Wie ich es nicht anders vermutet hatte, zeigte er sich sehr kooperativ und bot auch großzügige Unterstützungsbereitschaft an. Mit diesem guten Gefühl bin ich dann in den Urlaub gefahren, 14 Tage Wandertouren im Berchtesgardener Land. Die Auszeit hat mir sehr gut getan, hab meine Ruhe wieder gefunden, Kräfte gesammelt und auch an Gewicht wieder zugelegt. Dort hab ich mir auch einen Plan zurecht gelegt. Meine Vorstellung war, es ohne die Einnahme von Paracetamol, Antidepressiva und auch ohne Dosisreduktion zu schaffen. Krisenzeiten, die ich mir aus vergangenen Jahren noch mal bewusst machte, hab ich vor allen Dingen deswegen so gut überstanden, weil ich mich immer zu beschäftigen wusste. Wenn ich beschäftigt war, hatte ich keine Zeit zum grübeln und das wollte ich unter allen Umständen zu vermeiden versuchen. Die jetzige Situation war die: Ich fühlte mich psychisch stabil, hatte eine ruhige Lebensphase und war beruflich sehr zufrieden. Was lag da für mich näher, meine Berufstätigkeit ähnlich einer Beschäftigungs- Arbeitstherapie für die Dauer von 48 Wochen gleichzusetzen, zumal mein Arbeitgeber sich sehr großzügig zeigte und grünes Licht signalisierte in Bezug auf Krankheitsausfällen, Leistungseinbußen etc.ppa.
Gestartet bin ich dann am Samstag, 24.08.02 um 15.00 Uhr mit Interferon in Kombination mit 1000mg Ribavirin pro Tag, plus 1000mg Calcium, plus Vitamin B12 - für die Dauer von 48 Wochen. Mein Anfangsgewicht lag bei 62kg bei einer Körpergröße von 172 cm.
Der Einstieg war recht easy: Das spritzen hatte ich mir tags zuvor in der Praxis zeigen laAssen und klappte auf Anhieb. Bis zum Abend tat sich nichts. Am nächsten Morgen hatte ich bis auf leichte Kopf- und Muskelschmerzen in den Beinen für 2-3 Tage, keine Nebenwirkungen. Die nächsten 4 Wochen sollte es so bleiben. Teilweise ging es mir so gut, das ich schon Befürchtungen hegte, ob das IFN wohl auch Wirkung zeigte. Tat es aber. Der erste Laborscheck, zeigte nicht nur Leberwerte am sinken, andere wie Leukozyten/Thrombozyten/Hämoglobin aber auch. Mein erster PCR nach 5 Wochen war negativ, Nachweisgrenze lag unter <1200 Kopien/ml. In der sechsten Woche merkte ich zunächst leichten, dann immer stärker werdenden Haarausfall, Mundtrockenheit und eine "dünne" Gesichtshaut. Bis zur 12 Woche gesellten sich noch leichte Atemnot und zunehmende Müdigkeit hinzu. Mein nächtliches Schlafpensum erhöhte sich um volle 2 Stunden, ging jetzt mit den Hühnern zu Bett. An Gewicht hatte ich in den ersten 3 Monaten 3kg verloren, nichtsdestotrotz ging es mir sehr gut. Mein Tagespensum konnte ich wie gewohnt nachgehen, auch trat ein Gewöhnungseffekt ein und ganz wichtig, ich war in der 12.Th.Woche wieder negativ getestet worden, diesmal lag die Nachweisgrenze unter <100 Kopien/ml.
So ab der 14 Woche änderte sich das bis dato gute Verträglichkeitsprofil. Angefangen mit einer sich hartnäckig haltenden Erkältung, Dauerhusten, über leichten, immer stärker werdenden Juckreiz, Hautrisse an den Fingerkuppen, ließ auch die Konzentration nach, die Atemnot beim Treppensteigen verstärkte sich und auch die Merk- und Denkfähigkeit ließen zu wünschen übrig. |
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Am Samstag den 19. Juli spritze ich das letzte IFN und 6 Tage später beendete ich mit Rebetol die Therapie. Schon 14 Tage später waren alle Werte im Normbereich, mein behandelnder Arzt hatte also Recht behalten. Nach der Kombinationsbehandlung hat sich das Interferon innerhalb von 10 Tagen abgebaut, beim Rebetol waren es so 2-3 Wochen. Gleich danach machte ich eine Entdeckung, sämtliche Beschwerdebilder vor Diagnosestellung der Hepatitis C waren verschwunden und machte der neuen Lebensqualität Platz. Dies festzustellen war aber zunächst sehr befremdlich, es hat Wochen gebraucht bis ich meine neu gewonnene Lebensqualität auch verinnerlichen konnte - zu sehr war man noch in "alt gewohntes" eingebunden. Mittlerweile genieße ich es jeden Tag. Der Alltag hat mich wieder und das mit seit Jahren nicht mehr gekannten Energien. Beruflich bin ich wieder voll belastbar, nichts ist mir zuviel. Mein Schlafpensum hat sich auf maximal 7-8 Stunden eingependelt, das hat es seit ewigen Zeiten nicht mehr gegeben. Die Freude über Erreichtes stärkt auch die Zuversicht für die Zukunft. Es war nicht die schwerste Prüfung in meinem bisherigen Leben, aber sicherlich eine der Wichtigsten.
Nachwort: Nachdem ich die anfänglich erwogene Misteltherapie auf Grund meines Biopsieergebnisses erst einmal verworfen hatte, hab ich diese aber wieder zur Nachbehandlung aufgegriffen. Da die Mistel ein anerkanntes Immunstimulans ist, erhoffte ich mir erhöhte Chancen, keinen Relaps zu erleiden. Verbunden damit war, nach dem 48-wöchigen passiven Immunstress, auch meine aktiven Immunreaktionen wieder herzustellen. Angefangen bin ich zwei Wochen vor Th.-Ende mit einer schwachen Version von 2xwöchentlich ABNOBAviscum Quercus Stärke 5: www.abnoba.de. Direkt nach der IFN/Rebetol Behandlung bin ich dann auf Stärke 4 gewechselt. Die Mistelei hab ich übrigens als sehr angenehm empfunden und für eine Dauer von 6 Monaten eingesetzt.
Zum guten Schluss: Für die virologischen Begutachtungen in der 2/4/12/24 und 48 Woche nach Th-Ende hab ich mich entschlossen einen TMA mit einer sensitiveren Nachweisgrenze von <50 Kopien/ml in der Virologie der Uni Essen vornehmen zu lassen. Alle negativ, kein Virus mehr nachweisbar. Schon im ersten Versuch, mit einem ungünstigen Genotyp, ein Sustained Response (SVR) erreicht zu haben, das hätte ich mir vorher nicht träumen lassen.
"Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche
und plötzlich schaffst du das Unmögliche."
In diesem Sinne, herzlichst
Marita
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