Erkrankung
Ursache/Bezeichnung
Virushepatitis
Hepatitis-A-Virus (HAV)
( siehe unter Hep A-E )
Hepatitis-B-Virus (HBV)
Hepatitis-C-Virus (HCV)
Hepatitis-D-Virus (HDV)
Hepatitis-E-Virus (HEV)
Toxische Lebererkrankung
Alkohol (ASH)
Medikamente (auch Naturheilmittel)
Gewerbe- und Umweltgifte
Autoimmunhepatitis Typ 1, 2 und 3
Reaktion gegen körpereigene Zellen
Cholestatische (Galle) Erkrankungen
Primär biliäre Zirrhose (PBC)
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Vererbbare Lebererkrankungen
Hämochromatose (Eisenspeicher-)
Morbus Wilson (Kupferspeicher-)
Alpha-Antitrypsinmangel
Glykogenose Typ IV
Porphyrie
Nichtalkoholische Fettleber (NASH)
meist Übergewicht und Diabetes 2
Hepatovenöse (Lebervene) Stauung
erhöhter zentraler Venendruck (ZVD)
Budd-Chiari-Syndrom
Veno-Occlusive-Disease (VOD)
Sonstige Lebererkrankungen
Hypo- oder Hyperthyreose (Schilddrüse)
Sprue (Darm), Sarkoidose (Lunge)
Fettleber (NASH und ASH)
Die nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD) - meist Zufallsbefund bei einer bildgebenden Untersuchung - umfassen die Steatose (Verfettung), Steatohepatitis (NASH oder Fettleber), Steatofibrose (Fett-Bindegewebsvermehrung) und die Leberzirrhose (Leberverhärtung und -schrumpfung). Zunehmend wird auch das hepatozelluläre Karzinom (Leberzellkrebs) im Zusammenhang mit einer NAFLD beobachtet.
Nichtalkoholische Leberverfettungen sind die häufigsten Ursachen für Erhöhungen der Aminotransferasen unklarer Ursache (GOT, GPT, GGT) und mit einer Prävalenz (Vorkommen) von etwa 20 % die häufigsten pathologischen (krankhaften) Leberveränderung in der westlichen Welt.
Da zudem die Läsionen (Schädigungen) weitgehend denen bei alkoholischer Hepatitis (ASH) ähneln oder gleichen, ohne dass ein Alkoholkonsum vorliegt, ist die Kenntnis dieser Leberschäden wichtig, um einem Patienten nicht allein aufgrund des histopathologischen Befundes (z.B. aufgrund einer Leberpunktion) fälschlicherweise Alkoholmissbrauch zu unterstellen.
Zur Entzündung der Fettleber kommt es nach heutigem Verständnis, wenn ihre Schädigung durch hepatotrope Noxen (Lebergifte) wie zum Beispiel Medikamente, bakterielle Toxine aus der Darmflora, Hyperglykämie (Blutzuckererhöhung) oder Hyperlipidämie (Blutfetterhöhung) eine hypothetische Toleranzschwelle der Leber übersteigen („Double-hit-Hypothese”). Bevor die Diagnose jedoch endgültig festgestellt werden kann, müssen andere Lebererkrankungen wie z.B. die virale Hepatitis (A,B,C etc.) differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Bestätigt sich die Diagnose „Steatohepatitis” (Fettleber), müssen zur individuellen Therapie die häufig multifaktoriellen Ursachen der Erkrankung abgeklärt werden (z.B. Diabetes, Fettleibigkeit). Diese sollten dann, soweit möglich, ätiologisch (ursachenbedingt) unterteilt werden, zum Beispiel NASH bei metabolischem Syndrom oder medikamentöse Steatohepatitis.
Pathogenetisch (für die Ursache der Erkrankung) bedeutsam ist die Menge an viszeroabdominalem Fett (des Bauchraums sowie der inneren Organe) und die Insulinresistenz beim metabolischen Syndrom (bei stoffwechselbedingten Erkrankungen). Je stärker Fettleibigkeit und metabolisches Syndrom ausgeprägt sind, desto höher ist das Risiko einer fortschreitenden Lebererkrankung und der Entwicklung eines HCC. Weitere Vorzeichen dafür sind eine Umkehr des Verhältnisses von ALT/AST (GPT/GOT), Alter > 45 bis 50 Jahre (vermutlich als Ausdruck der Dauer der Steatose), Hypertriglyzeridämie (Erhöhung der Triglyzeride), arterieller Hypertonus und der Grad der Insulinresistenz. Während früher adipöse Frauen als besonders gefährdet galten, belegen neuere Untersuchungen, dass selbst normalgewichtige Männer und übergewichtige Kinder schon NASH-Läsionen aufweisen können. Zwischen dem Grad der Leberverfettung und dem Verhältnis aus Taillen- zu Hüftumfang („waist-to-hip ratio“) besteht ein deutlicher Zusammenhang. Hinter der histologischen Diagnose einer Steatohepatitis im Kindes- und Jugendalter kann sich gelegentlich ein Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) verbergen.
Die Leberbiopsie ist der Goldstandard, um den klinischen (aufgrund der Anamnese, Laborwerte, Sonographie etc.) Verdacht einer NAFLD zu bestätigen, und der sensitivste Test in der Graduierung der entzündlichen und in der Stadieneinteilung der fibrotischen Läsionen. Bei einer Fettleber sind histologisch über 50 Prozent der Leberzellen verfettet. Ab 10 Prozent Fettanteil am Feuchtgewicht liegt eine mäßige, ab 20 Prozent eine ausgeprägte Fettleber vor. Mikroskopisch sichtbar ist das Fett ab etwa 6 Prozent.
Die Behandlung der NAFLD wirft einige Probleme auf. Bei vielen Patienten sind die Leberveränderungen gering, nicht progredient (fortschreitend) und verursachen keinerlei Beschwerden. Ihre Lebensqualität ist nicht beeinträchtigt. Diese Patienten bedürfen keiner medikamentösen Therapie. Klinische oder laborchemische Marker, die im Einzelfall eine zuverlässige Voraussage der Progression der Erkrankung gestatten, existieren derzeit nicht. Bei Adipösen (Dickleibigen) geht die Rückbildung einer Leberverfettung parallel zur Gewichtsabnahme. Eine behutsame Gewichtsreduktion durch Kalorienrestriktion und körperliche Bewegung sowie die optimale Einstellung des Blutzuckers (falls erhöht bzw. Diabetes vorliegt) sind hier angezeigt. Die Verbesserung der Insulinsensitivität durch Metformin oder Thiazolidindione ist ein viel versprechender Therapieansatz. Die bisherige Datenbasis ist allerdings zu schmal, um eine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel auszusprechen. Derzeit sollten Medikamente daher nur in klinischen Studien eingesetzt werden.
Unabhängig von der Pathogenese (Krankheitsursache) werden zusätzlich häufig Ursodeoxycholsäure, Betain, Vitamin E und Gemfibrozil eingesetzt - obwohl die Effizienz dieser Therapiestrategien nicht eindeutig bzw. noch nicht ausreichend durch evidenzbasierte Studien belegt ist. Die Einnahme von Ursodeoxycholsäure, einer Gallensäure, scheint, bisherigen Ergebnissen zufolge, am ehesten zu einer Besserung der Leberwerte sowie der Leberverfettung zu führen.
Alkoholische Fettleberhepatitis (ASH)
Eine Alkoholfettleber wird bei 90 Prozent der Menschen mit Alkoholmissbrauch festgestellt. Regelmäßiges Trinken ist dabei gefährlicher als intermittierendes Trinken wesentlich größerer Alkoholmengen. Als kritische Dosis gelten 160 g Alkohol/Tag, das entspricht zwei Litern Wein. Dabei entwickelt sich regelmäßig schon nach drei Wochen eine Fettleber, eine Zirrhose nach mehreren Jahren. Die Dosis von 160 g ist aber eher zu hoch festgesetzt, weil Alkohol meist nicht als einzige Noxe (Gift) auf die Leber einwirkt. Die Unbedenklichkeitsgrenze wird heute für Männer mit 40 g und für Frauen mit 20 Alkohol pro Tag angenommen. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist der Verzicht auf Alkohol. Durch Wegfall dieser leberschädigenden Substanz erholt sich die Leber, die Verfettung und eventuell vorhandene entzündliche Veränderungen bilden sich zurück. Es empfiehlt sich daher, eine komplette Alkoholkarenz einzuhalten.
Die in manchen Medikamenten enthaltenen Alkoholmengen sind unbedenklich, solange nur wenige Tropfen eingenommen werden. Patienten mit fortgeschrittener Alkoholhepatitis können sowohl über- als auch untergewichtig sein. Bei Untergewicht liegt in der Regel eine Mangelernährung bezüglich der Eiweiße und Vitamine sowie der Spurenelemente vor, wodurch Muskelabbau und Leberfunktionsstörungen hervorgerufen werden. In diesen Fällen ist auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten, die ausreichende Mengen an Eiweißen (z.B. Fleisch, Fisch, Eier, Sojaprodukte) sowie Obst und Gemüse enthält. Der Kalorienbedarf kann bei diesen Patienten 30% über der Norm liegen. Dies ist gegebenenfalls zu berücksichtigen.
Es gibt eine Fülle von so genannten Leberschutztherapien. Der Nutzen dieser Medikamente ist bislang nicht belegt. In keinem Fall können diese Substanzen die negativen Auswirkungen eines fortgesetzten übermäßigen Alkoholgebrauchs ausgleichen oder auch nur abschwächen.
Autoimmunerkrankungen der Leber
Dazu zählen die Autoimmunhepatitis (AIH), die primär biliäre Zirrhose (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC). PBC und PSC sind cholestatische (Gallenwegsystem) Erkrankungen.
Die Autoimmunhepatitis ist eine chronische Leberentzündung mit fortschreitender (aktiver) Zerstörung des Leberparenchyms und trifft bevorzugt das weibliche Geschlecht (im Alter von 10 - 30 Jahren sowie im Zeitpunkt der Wechseljahre) . Warum sie entsteht, ist bis heute ungeklärt. Jedoch scheinen genetische Faktoren auch hier eine wichtige Rolle zu spielen, da bei den meisten Erkrankten bestimmte Oberflächenmerkmale auf den weißen Blutkörperchen gefunden werden (HLA-DR-3, DR-4 und HLA-B8). Aufgrund einer gestörten Immunreaktion bildet der Organismus Abwehrstoffe (=Antikörper) gegen Leberzellen oder Leberzellbestandteile, die zu einer Leberentzündung führen. Solche Abwehrstoffe sind zum Beispiel
ANA = antinukleäre Antikörper (Abwehrstoffe gegen Zellkerne, wo die Erbinformation in Form von sogenannter DNA gelagert ist)
SMA = Antikörper gegen glatte Muskulatur (SMA aus dem engl. smooth muscle antibodies) - glatte Muskulatur ist in vielen Geweben des menschlichen Körpers vorhanden, die nicht der willkürlichen Bewegung unterliegen.
SLA = Antikörper gegen lösliches Leberantigen (Antigen = Eiweiß, das eine Abwehrreaktion in Gang setzen kann)
LKM = Antikörper gegen die Leber- und Nierenmikrosomen. Die LKM-Abwehrstoffe richten sich gegen bestimmte Enzymeiweiße der Leber- und Nierenzellen, den sog. "Cytochromen P 450", die u.a. wichtige Funktionen im Entgiftungsstoffwechsel einnehmen.
LMA = Antikörper gegen das Lebermembran-Antigen (Leberzellhäute-Antigen)
Durch den Nachweis dieser Antikörper im Blut lassen sich verschiedene Formen, bezeichnet mit Typ I, II und III unterscheiden.
pANCA = Antikörper gegen innere Zellstrukturen in bestimmten weißen Blutzellen. (pANCA aus dem Englischen für perinuclear anti-neutrophile cytoplasmic antibodies).
Außerdem gibt es noch einige weitere Autoantikörper die im Zusammenhang mit einer Autoimmunhepatits gefunden werden.
Typ I = ( früher als lupoide Hepatitis bezeichnet) ist immunserologisch durch einen hohen Anteil von ANA sowie durch SMA charakterisiert.
Typ II = erlangt zunehmende Bedeutung und ist durch einen hohen Anteil von LKM gekennzeichnet. Die LKM-Abwehrstoffe richten sich gegen bestimmte Enzymeiweiße der Leber- und Nierenzellen, den sog. "Cytochromen P450", die u.a. wichtige Funktionen im Entgiftungsstoffwechsel einnehmen. Diese Form der Autoimmun-Hepatitis beginnt oft im Kindesalter. Es findet sich häufig ein Mangel an speziellen Abwehrstoffen (IGA), daneben treten oft Gelenkschmerzen, eine Schilddrüsen-Entzündung, eine Dickdarm-Entzündung und eine Vitiligo (Weißflecken-Erkankung der Haut) auf.
Typ III = unterscheidet sich durch einen hohen Anteil von SLA (= Abkürzung für den englischen Ausdruck "soluble-liver-antigen"). Sie richten sich gegen lösliche Eiweiße der Leberzellhäute, also der Leberzellmembranen. Bei Typ III ist allerdings die klinische Abgrenzung zu Typ I schwierig, u.a. wegen meist zusätzlich vorhandener ANA’s und SMA’s. So wird der Typ III oftmals auch dem Typ I zugerechnet.
Weitere, im Blut nachweisbare Veränderungen sind eine variable Erhöhung des gelben Gallenfarbstoffes Bilirubin und eine Erhöhung der Transaminasen GPT, GOT und gammaGT (Fermente, die aus dem Eiweißstoffwechsel der Leberzellen stammen und von einer geschädigten Leber vermehrt freigesetzt werden).
In der Serumelektrophorese, einem Untersuchungsverfahren zum Aufspalten des Blutserums in seine verschiedenen Eiweißuntereinheiten durch ein elektrisches Feld, findet man eine Vermehrung der Gamma-Globuline, später auch einen Abfall der Albumine.
Im Blutbild kann es zu einer Verminderung der Blutplättchen, der weißen und roten Blutkörperchen sowie - wie bei nahezu allen entzündlichen Erkrankungen - zu einer Beschleunigung der Blutsenkung kommen.
Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Oberbauchbeschwerden sind häufige Anzeichen, ebenfalls die sog. Leberhautzeichen; außerdem kann eine Gelbsucht hervorgerufen werden. Auch andere Organe können mitbetroffen sein. Abzuklären sind daher, ob eine Milzvergrößerung (Splenomegalie), eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) und der Lungenbläschen (Alveolitis) vorliegen und/oder es zu einer Mitbeteiligung der Niere (renotubuläre Azidose) und der Haut (Akne) gekommen ist.
Für die Behandlung ist eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Formen der Hepatitis, die zum Teil auch typischerweise im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter auftreten wie beispielsweise die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson, die Virus-Hepatitiden A-E oder durch Medikamente verursachte Leberentzündungen, wichtig. Die Diagnose einer chronisch-aktiven Hepatitis kann nur durch eine Untersuchung des Lebergewebes mittels einer Leberbiopsie (Feinnadelpunktion mit Gewebsentnahme) gesichert werden.
Ohne Behandlung entwickelt sich bei den meisten Patienten oft innerhalb kurzer Zeit eine Leberzirrhose. Deshalb sind frühes Erkennen der Erkrankung und früher Behandlungsbeginn so wichtig. Der Autoimmunhepatitis liegt ein fehlgesteuertes Abwehr-(Immun-)System zugrunde. Daher versucht man, mit sog. Immunsuppressiva therapeutisch einzugreifen. Darunter versteht man Medikamente, die fehlgeleitete Immunreaktionen sehr wirkungsvoll unterdrücken können. Patienten sprechen in der Regel gut auf eine immunsuppressive Therapie an. So ist in den meisten Fällen zumindest eine wesentliche Verlangsamung der Erkrankung mit stabiler Leberfunktion über Jahre zu erreichen.
Eingesetzt werden zunächst meist (vor allem im Kindesalter) sog. Glukokortikoide (Hormone) wie zum Beispiel Cortison und Prednison, die eine stark entzündungs-hemmende Wirkung haben. Durch die Kombination mit Azathioprin kann die Cortison-Dosierung deutlich reduziert werden. Dadurch können (mögliche) unerwünschte Nebenwirkungen der Cortison-Therapie, wie z.B. die Entwicklung eines Vollmondgesichtes, oftmals vermieden oder zumindest vermindert werden.
Allerdings muss diese Therapie über Jahre, teilweise lebenslang durchgehalten werden.
Beim Therapiestart (sofort nach Diagnosestellung) wird in der Regel Prednison oder Prednisolon mit 2 mg/kg/Tag (maximal 60 mg/Tag) und Azathioprin mit 1,5—2 mg/kg/Tag dosiert. In Abhängigkeit vom Verlauf bzw. nach klinischer und biochemischer Besserung oder Normalisierung innerhalb von 3-8 Wochen erfolgt über 2-3 Monate eine stufenweise Reduktion auf eine Erhaltungsdosis von 0,1 - 0,25 mg/kg/Tag Prednison.
Ist durch eine Cortison-Therapie bzw. die Kombination mit Azathioprin erst einmal eine Rückbildung der Entzündung (Remission) erreicht worden, kann in einem Teil der Fälle durch die alleinige Gabe von Azathioprin ein Wiederauftreten bzw. ein Fortschreiten der AIH verhindert werden. In etwa der Hälfte der Fälle kann bei normalem Lebergewebs-Befund nach einer 2-5jährigen Therapie bei normalen Serumtransaminasen (meist wird zudem zur Kontrolle erneut eine Leberbiopsie durchgeführt) die Behandlung abgesetzt werden. Sollte es nach Beendigung der Therapie jedoch zu einem Rückfall (Wiederanstieg der Leberwerte innerhalb von 1-3 Monaten) kommen, wird man einen erneuten Behandlungsversuch mit den genannten Medikamenten, eventuell in höherer Dosierung, beginnen.
Leider ist bei einigen Patienten diese Therapie nicht erfolgreich. Der chronisch-entzündliche Prozess der autoimmunen Hepatitis kann dann in eine Leberzirrhose fortschreiten. In solchen Fällen kann ein Versuch mit Cyclosporin unternommen werden. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit einer Lebertransplantation, die dann allerdings rechtzeitig in Erwägung gezogen werden sollte.
Viele Kinder müssen länger als 10 Jahre medikamentös behandelt werden. Unter der Behandlung sind medikamentenbedingte Nebenwirkungen regelmäßig zu kontrollieren. Neben Wachstumsretardierung, Osteoporose und arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) kann es auch zu einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus kommen. In regelmäßigen Abständen sollten zudem ophthalmologische (die Augen betreffend) Untersuchungen durchgeführt werden.
Adressen spezieller Laboratorien, in denen das Blut auch auf seltenere Antikörper der Autoimmunhepatitis untersucht werden kann:
Immunpathologisches Labor der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen Otfried-Müller-Straße, 7400 Tübingen, Tel.: 07071 / 292798 sowie
Immunologisch-Serologisches Labor, I. Medizinische Klinik und Poliklinik der Universität Mainz Langenbeckstr. l, 6500 Mainz, Tel.: 06131 / 172540
Weitere Informationen finden Sie auch unter http://www.autoimmunhepatitis.de

PBC = Primär biliäre Zirrhose
Die PBC ist eine chronische, fortschreitende Leberkrankheit. Sie beginnt an den kleinsten und kleinen Gallengängen, die entzündlich zerstört werden. Das führt zum Rückstau der in den Leberzellen gebildeten Galle, die jetzt durch die zerstörten Gallengänge nicht mehr richtig abgeleitet wird. Da die Entzündung nicht durch Eiter erzeugende weiße Blutzellen hervorgerufen wird, spricht man auch von einer nichteitrig destruierenden Gallengangsentzündung. Den Namen primär biliäre Zirrhose hat die Krankheit deshalb erhalten, weil sie früher immer erst im Stadium der Leber-Zirrhose entdeckt wurde. Da bei der PBC im Blut bestimmte Autoantikörper, die eine immunologische Reaktion anzeigen, sowie eine Immunglobulin-Vermehrung auftreten und meist mit einer Reihe weiterer immunvermittelter Erkrankungen im Lebergewebe entsprechende Immunzellen (s.u.), spricht man auch von einer Autoimmunkrankheit, also einer Krankheit, bei der körpereigene Zellen die eigene Leber angreifen.
Weiteres/Näheres siehe hier die Patienten-Information von
Prof. Dr. med. U. Leuschner, Internistisches Facharztzentrum, Frankfurt
Seit September 2004 gibt es eine PBC-Selbsthilfegruppe in Stuttgart
Ich heiße Gisela Schaber und habe im September 2004 diese Selbsthilfegruppe gegründet. Da ich selbst seit 1998 an PBC erkrankt bin, war es mir ein Bedürfnis, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Wir sind inzwischen 16 Frauen aus ganz Baden-Württemberg und der Pfalz. In regelmäßigen Abständen, so etwa 2-3 mal im Jahr, treffen wir uns in Stuttgart , im Cafe am Schlossgarten.
Wir wollen kein Jammerverein sein, sondern uns gegenseitig unterstützen, Ratschläge weitergeben und Mut machen. Vom Pharmakonzern Dr. Falk durften wir einen Arzt unserer Wahl einladen - daher wird im November voraussichtlich Dr.K.M.Teubner, Internist aus Stuttgart, bei uns zum Vortrag und zur Diskussion sein.
PBC , Primär biliäre Zirrhose, ist eine chronische, fortschreitende Leberkrankheit. Sie gehört zu den Autoimmunkrankheiten, da die körpereigenen Zellen die eigene Leber angreifen. Die Krankheit ist zur Zeit nicht heilbar, doch mit der zur Verfügung stehenden medikamentösen Therapie kann der Krankheitsverlauf wesentlich verlängert werden.
Wir sind der Deutschen Leberhilfe e.V. Köln angeschlossen, die uns die neuesten Informationen zusendet und zu Arzt-Patienten-Seminaren einlädt. Nähere Informationen erhalten sie von mir unter Gisela Schaber, Ahornweg 5, 72290 Loßburg
Tel. 07446-820, mail: rolf.schaber@freenet.de
PSC = Primär sklerosierende Cholangitis
Bei der PSC handelt es sich um eine chronische Leberkrankheit, bei der sich im Rahmen einer Entzündung um die kleinen Gallengänge herum, zwiebelschalenartig angeordnet, Bindegewebsstränge entwickeln. Je mehr der Anteil an Bindegewebe zunimmt, desto mehr bilden sich die Gallengänge zurück und es kommt zum Gallestau. Ist er ausgeprägt, macht er sich durch Gelbsucht (Ikterus) bemerkbar. Die entzündlichen Veränderungen, die nicht wie bei der PBC die Gallengänge direkt zerstören, sondern nur zu ihrer Ummauerung führen, greifen später auf das Lebergewebe über. Das Endstadium der Krankheit ist die Leberzirrhose. Die PSC ist wie die PBC eine Autoimmunkrankheit. Sie befällt überwiegend Männer und kommt auch bei Kindern vor. Bei den meisten Patienten ist die PSC mit einer Colitis ulcerosa, seltener mit einem Morbus Crohn (beides chronische Darmentzündungen, deren Ursache ungeklärt ist) vergesellschaftet. An PSC Erkrankte sollten daher auch darauf untersucht werden.
Weiteres/Näheres siehe hier die Patienten-Information von
Prof. Dr. med. U. Leuschner, Internistisches Facharztzentrum, Frankfurt
Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
(verfasst von Renate Fritsch, Vorstandsmitglied der HVD - Näheres siehe unten)
1. Definition Hämochromatose
Die primäre bzw. hereditäre Hämochromatose - auch Eisenspeicherkrankheit genannt - ist eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen. Ein angeborener Gendefekt führt im Dünndarm zu einer Erhöhung der Eisenaufnahme von 1-2 mg/Tag (bei Gesunden) auf 4-5 mg/Tag (bei Erkrankten) aus 10-20 mg Eisen in der täglichen Nahrung. Im Verlauf von vielen Jahren bis Jahrzehnten kommt es zur Eisenablagerung in verschiedenen Organen, die dadurch in ihrer Funktion und ihrer Struktur geschädigt werden.
Zu diesen Organen gehören die Leber, die Bauchspeicheldrüse, die Hirnanhangdrüse, das Herz und die Gelenke.
Von der primären Hämochromatose kann man eine sekundäre Hämochromatose unterscheiden, die nicht erbbedingt ist, sondern durch viele Blutübertragungen, massive Einnahme von Eisentabletten oder als Folge bestimmter Formen von Anämien (Blutarmut) entstehen kann.
2.Vererbung
Die genetische Störung liegt bei der Eisenspeicherkrankheit auf dem Chromosom 6 und zwar im Bereich des 1996 entdeckten HFE-Gens ( früher HLA-H-Gen genannt). Die Bezeichnung HFE setzt sich zusammen aus H für Hämo und FE als chemisches Zeichen für Eisen. Bei den meisten mitteleuropäischen Patienten mit Hämochromatose ist auf dem Chromosom 6 an einer Stelle (und zwar an Position 282) ein bestimmtes Eiweiß , nämlich Cystein durch ein anderes, Tyrosin ersetzt. Es gibt allerdings auch weitere genetische Veränderungen.
Es handelt sich um einen sogenannten autosomal-rezessiven Erbgang. Autosomal bedeutet, dass der Gendefekt nicht auf einem Geschlechtschromosom liegt. Rezessiv bedeutet im Gegensatz zu dominant, dass nur derjenige ein erhöhtes Erkrankungsrisiko trägt, der den Gendefekt reinerbig, d.h. von Vater und Mutter geerbt hat. Der entsprechende Befund wird dann mit homozygoter Mutation C282Y angegeben. Menschen mit dieser Mutation haben ein hohes Risiko, müssen aber nicht alle an der Hämochromatose erkranken.
Die sogenannte compound-heterozygote Mutation C282Y – H63D führt in einem geringerem Prozentsatz ebenfalls zum Krankheitsbild der Hämochromatose.
3. Vorkommen in der Bevölkerung
Die Erkrankungshäufigkeit liegt bei Europäern zwischen 1:400 und 1:1000. Dabei wird die Diagnose bei Männern etwa 3 bis 8 x häufiger gestellt als bei Frauen. Das liegt daran, dass Frauen durch Eisenverluste während der monatlichen Regelblutungen sozusagen auf natürliche Weise therapiert werden und deshalb seltener oder später an Hämochromatose erkranken.
Die Anzahl der Überträger der Krankheit beträgt ca. 1:10 bis 1:20 bei weißhäutigen Menschen. Diese Überträger besitzen eine sogenannte heterozygote, nicht-reinerbige C282Y-Mutation, die sie von nur einem Elternteil geerbt haben. Sie werden selbst in der Regel nicht krank.
4. Häufige Beschwerden
Anfänglich gibt es keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden. Mit zunehmender Eisenspeicherung kommt es häufig zu folgenden
Symptome: starke Müdigkeit, Leistungsabfall, Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Gelenkschmerzen (besonders oft betroffen sind die Grundgelenke des Zeige- und Mittelfingers), Impotenz, nachlassender Sexualtrieb, Unregelmäßigkeit oder Ausbleiben der monatlichen Regelblutung, Bauchschmerzen, Kurzatmigkeit, unregelmäßige Herzschläge, graubraune Färbung der Haut (im Spätstadium Bronzetönung).
5. Folgeschäden
Die möglichen Folgeschäden bei unerkannter oder unbehandelter Eisenspeicherkrankheit können sein:
Leberzirrhose, Leberkrebs, Zuckerkrankheit, chronische „rheuma-ähnliche“ Gelenkentzündungen mit vorzeitigem Verschleiß, Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen. Bei dem sogenannten hypogonadotropen Hypogonadismus handelt es sich um eine Störung in der Hirnanhangdrüse, die zur verminderten Bildung von Geschlechtshormonen in den Hoden und Eierstöcken führt mit Rückbildung der Geschlechtsfunktionen.
6. Sinnvolle Untersuchungen
Bei Auftreten der unter Punkt 4 aufgeführten Symptome sollte eine Blutuntersuchung auf Ferritin und Transferrinsättigung (früher Eisenbindungskapazität) erfolgen. Der Serum-Eisenspiegel muss dabei nicht immer erhöht sein. Eine Erhöhung der Transferrinsättigung über 60% und des Serumferritins über 300 ng/l im Zusammenhang mit entsprechenden Beschwerden führt zum Verdacht auf Hämochromatose.
Daran sollte sich der Gentest anschließen, der bei Nachweis der homozygoten Mutation C282Y eine Hämochromatose bestätigt.
Bei unklaren Fällen ist eine Leberbiopsie mit Bestimmung des Eisengehaltes im Lebergewebe zur Sicherung der Diagnose notwendig.
Wenn die Diagnose Hämochromatose feststeht, sollten folgende Laborwerte zusätzlich untersucht werden:
Nüchtern-Blutzucker und HbA1c, um einen Diabetes mellitus frühzeitig zu erkennen.
Die Leberwerte GOT, GPT, gamma-GT können erhöht sein, normalisieren sich aber oft unter der Therapie. Bei Vorliegen einer Leberzirrhose sollte zusätzlich regelmäßig das Bilirubin und das Albumin untersucht werden, um einen Leberfunktionsausfall zu erkennen. Einmal jährlich sollte auch das alpha-Fetoprotein als Tumormarker zur Früherkennung eines Leberkrebses bestimmt werden.
Falls der Verdacht auf eine Beteiligung der Hirnanhangsdrüse besteht kann man folgende Hormone untersuchen:
Bei Männern: Testosteron und LH = luteinisierendes Hormon.
Bei Frauen: Östradiol, Progesteron, Prolaktin, LH und FSH = Follikelstimulierendes Hormon.
Bei beiden Geschlechtern sind folgende Hypophysen-Hormone selten betroffen: TSH = Schilddrüsenstimulierendes Hormon, STH = Wachstumshormon, ACTH = Nebennierenrindenstimulierendes Hormon.
Apparative Diagnostik:
Ultraschall von Leber (und Milz) sollte zu Beginn der Erkrankung und im Verlauf wenigstens 1x jährlich durchgeführt werden. Bei Herzbeschwerden kann neben einem EKG eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) weiterführen. Die Computertomographie oder Magnetresonanztomographie (=Kernspin-Untersuchung) können massive Eisenüberladungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Herzmuskels und der Hirnanhangsdrüse zeigen, deshalb werden sie manchmal zur Abschätzung der Organbeteiligungen eingesetzt. Zur Kontrolle des Therapieverlaufs sind CT und MRT nicht besser als die Sonographie und im Vergleich zu teuer. Bei Verdacht auf Leberkrebs ist der Einsatz von CT und/oder MR jedoch sinnvoll. Bei Beschwerden sollten Röntgenaufnahmen von den betroffenen Gelenken angefertigt werden.
7. Therapie
Die Therapie besteht in einer sehr alten Methode der Blutentnahme, dem Aderlass. Die Anzahl der Aderlässe ist abhängig vom Stadium der Erkrankung:
Liegt (nur) ein positiver Gentest vor, ohne Krankheitserscheinungen und ohne Erhöhung von Ferritin oder der Transferrinsättigung, kann man noch nicht von einer Krankheit im eigentlichen Sinne sprechen. Zur Prophylaxe von Folgeschäden werden 3-4 Aderlässe pro Jahr empfohlen.
Bei Auftreten von Symptomen und einer Ferritin-Erhöhung werden die Aderlässe à 500 ml Blut wöchentlich durchgeführt. Vor jedem Aderlass sollte ein Blutbild angefertigt werden. Ein Hämoglobin-Wert von 11 g/dl darf nicht oder nur kurzfristig unterschritten werden. Als Zielwert gilt ein Ferritin zwischen 20 bis 50 ng/ml. Nach erfolgter Eisenentspeicherung sollten anschließend vierteljährlich Ferritin-Kontrollen durchgeführt werden. Der Serum-Eisenspiegel kann sehr unterschiedlich sein und spielt für die Entscheidung, wann der nächste Aderlass stattfinden sollte, keine Rolle. Bei einem Anstieg des Ferritins über 50ng/ml sollte erneut ein Aderlass erfolgen. Es sind lebenslängliche Aderlässe erforderlich, um den Zielwert zu halten. In der Regel sind es 3-8 Aderlässe pro Jahr.
Die Therapie wird in einigen Praxen und Krankenhäusern auch als Erythrozyt-Apherese durchgeführt. Dabei wird das Blut über eine Maschine ähnlich eines Dialyse-Apparates entnommen, und nach Abtrennung der roten Blutkörperchen mit dem eisenhaltigen Hämoglobin wird das Plasma und damit wichtige Eiweißstoffe wieder zurückgegeben. Vorteile dieser Methode sind: In einer „Sitzung“ kann ca. doppelt so viel Eisen entzogen werden wie beim herkömmlichen Aderlass und damit verkürzt sich die Entspeicherung auf die Hälfte der Zeit oder man kann zwischen den einzelnen Blutentnahmen eine längere Pause machen. Durch die Rückgabe des Blutplasmas ist die Erythrozyt-Apherese weniger kreislaufbelastend. Diese Methode ist aber teurer, nicht überall verfügbar und meistens überflüssig.
Bei den sekundären Formen der Hämochromatose, insbesondere mit Blutarmut, kann keine Aderlasstherapie durchgeführt werden. Dafür gibt es ein Medikament namens Desferal (Wirkstoff: Deferoxamin). Dieses wird mit einer Langzeitpumpe unter die Haut gespritzt. Es ist deutlich weniger wirkungsvoll als die Aderlassbehandlung und kann als Nebenwirkungen Allergien und Schädigungen am Hör – und Sehnerv verursachen.
Deshalb sollte man sich unter Desferal-Therapie mindestens 2x jährlich bei einem Augen-, HNO- und Nervenarztuntersuchen lassen.
Therapie der Folgeschäden:
Gegen die Leberzirrhose gibt es keine speziellen Medikamente. Man sollte jedoch alles vermeiden, was eine Verschlechterung der Funktion verursachen könnte. Hier ist besonders der Alkohol zu nennen. Bei der eher seltenen Dekompensation (schwerwiegender Ausfall der Leberfunktionen) und beim Auftreten von Leberkrebs ist manchmal eine Leber-Transplantation notwendig.
Der Diabetes Mellitus wird je nach Ausprägung mit Diät, Tabletten oder Insulin behandelt.
Die Herzbeteiligung bei Hämochromatose kann zu Herzrhythmusstörungen und/oder Herzschwäche führen, die mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.
Die Therapie der Gelenkveränderungen ist schwierig. Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten können die Schmerzen lindern, kombiniert mit Bewegungstherapie kann die fortschreitende Versteifung herausgezögert werden. Einige Betroffene haben gute Erfahrungen mit Ernährungsumstellung (Vollwertkost) und der Homöopathie gemacht. Gelegentlich ist ein Gelenkersatz notwendig.
Bei Hormonmangel ist ein Ersatz des Testosterons bei Männern bzw. des Östrogens bei Frauen angezeigt, was neben einer Besserung der Beschwerden wie Depression und Impotenz auch die Folgen eines Mangels wie Osteoporose ausgleicht. Dabei ist eine Kontrolle der Hormonspiegel im Blut notwendig, da eine Überdosierung ein erhöhtes Risiko für Lebertumore birgt.
8. Krankheitsverlauf
Unter der Aderlasstherapie bilden sich Müdigkeit und Leistungsschwäche meistens zurück. Gleichzeitig normalisieren sich auch die Leberwerte. Anfänglich kann noch eine allgemeine oder Kreislaufschwäche aufgrund der Blutverluste während der Aderlässe beobachtet werden. Meistens wird die Behandlung jedoch gut vertragen.
Eine Leberzirrhose bildet sich in der Regel nicht zurück. Es gibt bei der Hämochromatose selten einen schweren Funktionsausfall der Leber mit Bauchwasseransammlungen, Krampfadern in der Speiseröhre und Gelbsucht. Bei Vorliegen einer Leberzirrhose ist das Risiko an Leberkrebs zu erkranken langfristig deutlich erhöht.
Bei der Zuckerkrankheit kommt es manchmal vor, dass sich die Werte so bessern, dass weniger Insulin gespritzt werden muss, oder dass jemand, der vorher Tabletten eingenommen hat, anschließend nur mit einer entsprechenden Diabetes-Diät auskommt.
Die Hormonstörungen sind in der Regel durch die Aderlasstherapie nicht mehr rückbildbar. Auch die Gelenkbeschwerden werden unter der Aderlasstherapie meist nicht gebessert, sondern gelegentlich sogar verstärkt.
9. Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Aderlasstherapie ist die Lebenserwartung normal und es sind keine oder nur geringe Folgeschäden zu erwarten. Erst nach Eintreten der Organschäden wie Leberzirrhose und Diabetes mellitus verschlechtert sich die Prognose. Häufige Todesursachen sind die Folgen der Leberzirrhose, wie z.B. Leberkrebs oder die allgemeinen Gefäßverkalkungen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall infolge der Zuckerkrankheit.
10. Ernährung
Die Eisenaufnahme im Dünndarm wird durch Vitamin C gesteigert. Deshalb wird angeraten, Vitamin C nicht zu den Mahlzeiten, sondern dazwischen oder abends vor dem Schlafen einzunehmen. Schwarzer oder grüner Tee vermindern die Eisenaufnahme um bis zu 30% und können zu den Mahlzeiten getrunken werden.
Stark eisen- bzw. bluthaltige Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst, Leber, Nieren, Austern, Muscheln sollten reduziert werden, man muss jedoch nicht vollständig darauf verzichten. Das Eisen in Gemüse wird nicht sehr gut vom Darm aufgenommen. Daher besteht für Gemüse, Milch und Eier keine Einschränkung.
Wichtiger ist es, bei bereits eingetretenem Leberschaden den Genuss von Alkohol zu vermeiden.
11. Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Therapie? - Je nach Grad der Eisenüberladung dauert die erste intensive Phase der Aderlasstherapie zur Entspeicherung bis zu 1,5 Jahren.
Kann die Therapie beim Hausarzt gemacht werden? – Im Prinzip ja. Meistens sind Internisten oder Hämatologen besser auf Aderlasstherapien eingestellt.
Ist die Hämochromatose ansteckend? – Nein! Die Krankheit ist nicht durch Blut, Schleim oder andere Sekrete übertragbar. Die Eisenspeicherkrankheit ist eine Erbkrankheit.
Muss ich meine Familie untersuchen lassen? – Ja! Es ist sinnvoll bei Verwandten ersten Grades (Geschwister, Kinder, Eltern) einen Gentest durchführen zu lassen. Das höchste Risiko tragen Geschwister. Kinder werden in der Regel ab 18 Jahren getestet.
Was kann ich gegen die Gelenkbeschwerden tun? - Leider gibt es keine spezifische Behandlung. Meist führt eine Kombination aus Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, regelmäßige, leichte sportliche Betätigung und verschiedene Formen der physikalischen Therapie wie Wärme – oder Kälteanwendungen zur Linderung. Im späteren Stadium wird manchmal ein Gelenkersatz notwendig,
Wie wichtig ist eine eisenarme Ernährung? Man kann damit die Eisenaufnahme im Darm um ca. 30% vermindern. Das sind bei 3-4 Aderlässen pro Jahr ein Aderlass mehr oder weniger.
Ich habe gehört, dass die Eisenspeicherkrankheit nur Männer betrifft! - Diese Aussage ist falsch! Die Hämochromatose ist eine nicht geschlechtsgebundene Erbkrankheit. Frauen erkranken meistens erst in späterem Lebensalter als Männer, da sie durch die monatliche Regelblutung Eisen verlieren und langsamer in den Organen ablagern. Es gibt aber auch schon Frauen, die mit 20 oder 30 Jahren erkranken.
Ich möchte den Gentest nicht machen lassen, denn ich habe Angst vor den Folgeschäden der Krankheit. - Diese Schlussfolgerung ist nicht richtig. Der Gentest zeigt, ob ich zur Risikogruppe gehöre oder nicht, ob ich also die Veranlagung geerbt habe, an Hämochromatose zu erkranken oder nicht. Ein positiver Test bedeutet nicht, dass ich krank bin oder krank werden muss.
Wenn ich nach einem positivem Gentest jährlich zum Arzt gehe und die Transferrinsättigung und den Ferritinwert im Blut messen lasse, können bei beginnendem Anstieg durch Einsatz der Aderlasstherapie Folgeschäden vermieden werden.
12. Selbsthilfegruppe Hämochromatose-Vereinigung Deutschland e.V. mit regionalen Kontaktadressen
Die Hämochromatose-Vereinigung Deutschland e.V. (HVD) ist eine Patienten-Vereinigung für und von Hämochromatose-Betroffenen.
Vorstand: Dr. med. Barbara Butzeck, Mario Haub, Anna-Maria Kreis, Wilfried Horstmann, Renate Fritsch
Postanschrift:
Hämochromatose-Vereinigung Deutschland e.V.
Ulitzkastr. 23
51063 Köln
Fax: 0221-88 49 98
e-mail: Info@haemochromatose.org
http://www.haemochromatose.org
Tel. Kontakt über KISS Köln: 0221-951542-16
Treffpunkt: Köln (AOK Rheinland oder KISS)
Gruppenabend: 4x jährlich, jeweils freitags 18 – 21 Uhr
Besonderheiten: Erfahrungsaustausch, Vorträge von Referenten, Wochenend-Seminare, Arzt-Patienten-Seminare/Präsentation auf Messen und Kongressen.
