Eine Vielzahl von Begriffen verstehen sich mittlerweile darunter: Naturheilkunde, Erfahrungsheilkunde, sanfte oder biologische Medizin, Komplementär-, Natur- oder Ganzheitsmedizin etc.
Drei Viertel der Bevölkerung zieht Studien zufolge naturheilkundliche Behandlungsmethoden der Schulmedizin vor. Vor allem bei Patienten mit chronischen Erkrankungen stoßen alternative Heilverfahren auf großes Interesse, zumal diese meist mit weit weniger Nebenwirkungen verbunden sind und auf lange Zeit einzunehmende Arzneimittel auch Folgeerkrankungen nach sich ziehen können. Der Wunsch und die Suche nach alternativer Behandlung ist verständlich, trifft jedoch auf eine Fülle von Angeboten, deren Wirksamkeit oftmals fragwürdig ist und die zudem, da in der Mehrzahl nicht verschreibungspflichtig, den gesetzlichen Versicherten von den Krankenkassen nicht erstattet werden und somit aus privater Tasche bezahlt werden müssen.
Statt ergänzendem Miteinander ist der Umgang mit Naturheilverfahren in unserem Gesundheitssystem immer noch vielfach von Vorurteilen, zum Teil sogar von grundsätzlicher Ablehnung geprägt, während er in der Bevölkerung bis zu teils dogmatischer Befürwortung mit Überschätzung ihrer Möglichkeiten reicht. Hinzu kommt, dass verfügbare Informationen nicht selten auch von den Interessen der jeweiligen »Anbieter« im Gesundheitssystem, also der Hersteller der Medikamente, Heilkräuter, Nahrungsergänzungsmittel etc. beeinflusst sind. Für den nach Gesundung suchenden Kranken ist es daher schwierig, deren Stellenwert sachlich zu bewerten. Wir wollen versuchen, die wichtigsten Verfahren und Methoden in ihren wesentlichen Aussagen möglichst neutral darzustellen.
Doch zunächst noch eine Vorbemerkung:
In seinem in alle Kultursprachen übersetzten Buch „Die Enteignung der Gesundheit“ (englischer Originaltitel „Nemesis of Medicine“) kommt der amerikanische Kulturkritiker und Jesuit Prof. Ivan Illich zu dem Schluss, dass unser Gesundheitswesen inzwischen zur größten Gefahr für unsere Gesundheit geworden ist. Illichs wichtigste Streitschrift versteht sich als Pamphlet gegen die Medizin in der westlichen Industriegesellschaft: „sie sei zu einem Gesundheitssystem geworden, das nicht den Menschen in seiner Ganzheit ins Blickfeld nimmt, sondern nur auf Krankheitsbilder und Organe sieht. Heilung sei zu einer Frage der Technik und der Apparate geworden, als gehe es um Kundendienst und Werkstattbesuch.“ Illich spricht dabei unter anderem auch von der Medikalisierung des Lebens. Und wenn man genau hinschaut, treffen einige Äußerungen Illichs zu. Er starb übrigens 2003 an einem Krebsgeschwür, das er nicht behandeln lies.
Was meint Medikalisierung? Der Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker, der Ruf nach der Tablette, die Pille für danach oder davor, Früherkennungssysteme aller Art, Herzschrittmacher und Ersatzherzen, Ergänzungskost oder Appetitzügler haben die Medizin in zunehmendem Maße von einer Heil-Kunde zu einem Verbrauchsgut und die Menschen zu süchtigen Verbrauchern gemacht. Leben, Gesundheit und Krankheit, Geburt und Tod sind keine natürlichen Erfahrungen mehr. Was normal, angemessen, altersgemäß oder wünschenswert ist, wird gesellschaftlich definiert. Wenn wir schon den Tod nicht beherrschen können, so doch wenigstens das Leben. Wir leben ein Leben unter Aufsicht - definiert als unser Wohl und zu unserem individuellen Nutzen. Die Beschwerden des einen werden als Krankheit definiert und dem Behandlungssystem übergeben, der Nächste für krank erklärt, obwohl er gar nicht über Beschwerden klagt und der dritten möglichen Patientin wird die soziale Anerkennung ihres Leidens, ihrer Schwäche oder gar ihres Todes verweigert. Die Medikalisierung des Lebens verhindert Verhältnisse, in der Menschen lernen, das eigene Leben selbstverantwortlich zu leben, das Glück ihres Lebens unbefangen zu spüren und sich dem Schmerz des Lebens zu stellen, sich das Leben anzueignen und den Zumutungen von Außen und der Entmündigung durch andere entgegenzutreten. Betäubungen unterschiedlichster Art sind die Antwort einer Kultur und ihrer Menschen, die die Sehnsucht entleert und in der Sucht auf schnelle Erfüllung drängt.
Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass Menschen, die an ihre eigenen Kräfte glauben, aktiv werden, sich darum kümmern etc. in aller Regel bessere Gesundheits- und Heilungschancen haben. Schon allein das Sich-Bemühen bringt einen Gewinn mit sich. Es lohnt sich also, an seiner Gesundung mitzuwirken. Und je besser man informiert ist und je mehr man mit einer Behandlung einverstanden und von ihr überzeugt ist, desto besser wirkt die Therapie, ob alternativ oder seitens der Schulmedizin. Dies zeigen auch Zwischenergebnisse einer bundesweiten Befragung von Leberkranken.
Ähnlich sieht es bei denen aus, die innerlich gelassen sind und die sich geborgen fühlen, sei es zum Beispiel in ihrer Familie oder in ihrem Glauben.
Psychische und körperliche Vorgänge hängen eng zusammen. Redewendungen wie „ mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“ oder „etwas geht einem an die Nieren“ oder „da bleibt einem die Spucke weg“ deuten darauf hin. Wie man sich fühlt, wie es einem geht, das nimmt Einfluss auf die Steuerung innerer Organe ( Stoffwechsel, Atmung, Sinneswahrnehmung etc.) und auf das Immunsystem aus, im positiven wie auch im negativen Sinn. Mit sich selbst im Reinen sein, sich so akzeptieren, wie man ist, sich mit der Krankheit arrangieren, sind entscheidende Faktoren im Genesungs-Prozess. Und dazu ist oftmals eine Korrektur der bisherigen Lebensweise und Lebenseinstellung, zumindest eine Überprüfung notwendig.
Ohne Nahrung können wir einige Wochen überleben, wenige Tage ohne Flüssigkeit. Doch ohne zu atmen gelingt uns dies nur wenige Minuten. In China heißt es „die Pflanze sei der bäuerliche, das Messer der bürgerliche, der Atem hingegen der königliche Weg des Heilens“. Von der richtigen Atmung hängen alle Funktionen unseres Körpers ab. Jede unserer Körperzellen benötigt Sauerstoff und es sind Milliarden Zellen, die ständig Energie brauchen. In dauernder Anspannung und Hetze werden wir immer „kurzatmiger“. Ist das Sauerstoffangebot für die Zellen gering, vermag sich der Körper nicht wirksam gegen Krankheiten und das Altern wehren. Richtiges Atmen kann ordnen und harmonisieren und so wesentlich zur Gesundung beitragen. Beim tiefen Aus- und Einatmen wird über das Zwerchfell die Leber ausgepresst und in ihrer Arbeit kräftig unterstützt. Hilfreich für richtiges Atmen ist die Bewegung. Täglich eine halbe Stunde flottes Gehen in frischer Luft sind eine einfache und gute Möglichkeit, die Atemleistung und damit das Lebenselixier Nr. 1 die Atmung zu stärken. Sauerstoff ist außerdem der Motor für den Fettstoffwechsel. Wo Sauerstoff ist, bildet sich auch weniger Fett. Dagegen führt schwaches Atmen zu einer erhöhten Kohlendioxid-Konzentration im Blut. Die ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ist die Basis für unsere Gesundheit.
Doch bei all unserem Tun sollten wir immer daran denken, dass es auch in der Medizin trotz aller wissenschaftlich anerkannten Studien keine absolute (allenfalls „gefühlte“) Sicherheit gibt und für das Individuum Mensch „Leben immer lebensgefährlich ist“ (Erich Kästner).
Wir haben bewusst diese Sätze voran gestellt, da die klassische Naturheilkunde als Schlüssel für das „Gesund werden“ bzw. das Entstehen von Gesundheit (Salutogenese) neben der ganzheitlichen Sichtweise von Körper, Geist und Seele auch den eigenverantwortlichen, bewussten Umgang mit dem „Ich“ versteht. Jeder Patient braucht das Verständnis für sich selbst, den eigenen Körper, das eigene Empfinden, die eigene Kultur und ist sein eigener Spezialist für die therapeutischen Entscheidungen und ihre Erfolgskontrolle, auch wenn der Kommunikation und Abstimmung mit dem Arzt große Bedeutung beigemessen wird.
Schwerpunkt komplementärer (sich gegenseitig ergänzender) Medizin ist in erster Linie, die Selbstheilungskräfte des Menschen anzuregen und seine inneren Ressourcen zu stärken, um den Körper wieder in die „Balance“, ins Gleichgewicht zu bekommen.
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Die klassische Naturheilkunde beruht auf folgenden äußeren und inneren, miteinander verbundenen Lebensprinzipien der Natur
Reiz-Reaktion, das heißt, Training der Fähigkeit des Körpers, sich an seine Umwelt anzupassen. Durch ständiges „Üben“ lernt der Körper, sich schneller und gezielter auf die steten Anforderungen einzustellen.
Aktive (Sport) und passive (Massage) Bewegung, denn 40% unseres Körpers bestehen aus Muskulatur. Sport (mit Freude) in Maßen, am besten Ausdauersport wie Laufen, Joggen, (Nordic) Walking, Schwimmen, Radfahren etc. senkt erhöhte Blutfettwerte, erhöht die Empfindlichkeit des Körpers für das körpereigene Hormon Insulin und wirkt einer möglichen Zuckererkrankung entgegen. Außerdem reduziert diese Form der Bewegung das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hilft, überschüssige Fettpolster abzubauen. Am besten, sich ärztlich beraten und einen individuellen Trainingsplan zusammenstellen lassen.
Ernährung: ausgewogen, vitalstoffreich mit „lebendigen“ Lebensmitteln, die möglichst naturbelassen sowie aus regionalem Anbau sind und immer dann verwendet werden, wenn diese Saison haben bzw. geerntet werden. Regelmäßig fermentierte Milchprodukte, am besten ungesüßt mit wenig Fettanteil z.B. Naturjoghurt, Sauermilch etc. sowie kalt gepresste, entsaftete, gegorene und fermentierte Lebensmittel (Sauerkraut). Statt Margarine, Butter etc. mehrfach ungesättigte Fette wie Leinöl, Rapsöl, Walnussöl bevorzugen. Eier und Fleisch in Maßen. Leberkranke entwickeln zudem meist eine Abneigung gegen fetthaltige Speisen. Industriell be- und verarbeitete Speisen vermeiden. Eine so zusammengestellte Kost reicht in den meisten Fällen völlig aus. Die zusätzliche Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sollte nur bei fortgeschrittener Leberschädigung und bei Mangelzuständen in Betracht gezogen werden. Zu denken ist dabei beispielsweise an Magnesium, Zink, Selen, Vitamin B1, B2, B6, B12 Folsäure und auch an Eisen, das jedoch meist zuviel (siehe Erkrankung „Hämochromatose“) vorhanden ist. Wichtig ist, genügend zu trinken, etwa 2-3 Liter am Tag, vor allem Mineralwasser, aber auch ungezuckerte Fruchtsäfte, Tees etc. Kein Alkohol und auf Rauchen (auch „Mit“-Rauchen) verzichten ! Freude am und Genuss des Essens (slow food) sind die beste Vorbereitung und Voraussetzung für eine gute Verdauung.
Heilpflanzen, mit denen und durch die Fehlfunktionen und Schäden des Körpers korrigiert werden können. „Gegen Vieles ist ein Kraut gewachsen“, aber es kann manchmal einige Wochen dauern, bis ihre Wirkung spürbar wird. Doch Heilpflanzen sind keine „Notfall-Medikamente“ und sie können teilweise ungünstige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Daher empfiehlt sich bei Medikamenten-Einnahme grundsätzlich das klärende Gespräch mit dem behandelnden Arzt ! Entscheidend bei Heilpflanzen ist auch deren Reinheit (frei von Schadstoffen und Beimischungen) und die Standardisierung der Wirkstoffkonzentration. Der Bezug in der Apotheke bietet hierin durch die Arzneimittelkontrolle mehr Sicherheit als zum Beispiel der Kauf im Supermarkt, da die dort angebotenen Produkte dem Lebensmittelgesetz unterliegen.
Ordnungstherapie - unser Körper folgt bestimmtem natürlichen Rhythmen wie zum Beispiel dem Wechsel zwischen Wachsein und Schlafen, zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Bewegung und Ruhe und haushaltet auf diese Weise mit seinen Kräften. Die Vorgänge im Körper tun dies weitgehend unabhängig. Lebt man aber ständig gegen diese Rhythmen, braucht man dafür viel Energie, was zunächst zu Nervosität, dann zu Erschöpfung und schließlich zu Funktionsstörungen führen kann. An zwei aktuellen Beispielen wird deutlich, wie wichtig Strukturen und Rhythmen sind: bei arbeitslosen Menschen, bei denen der Tagesablauf nicht mehr durch den Rhythmus Arbeit und Freizeit strukturiert wird, „plätschert“ der Tag so dahin und überraschend schnell wird dieser Zustand trotz der freien Zeit zum Albtraum. Hoffnungslosigkeit mündet in depressive Zustände. Das andere Extrem sind die „Workaholics“, die zwar mehr als genug Arbeit haben, aber keine Freizeit mehr. Kommt es in der knapp gewordenen freien Zeit nicht zur Entspannung, sondern bleibt der Druck bestehen, unter anderem auch in Form von „Freizeitstress“ endet dies meist in einer Spirale aus Stress, Überlastung, Erschöpfung dem sog. Burn-out-Syndrom.
Zu diesen (klassischen) Naturheilverfahren zählt man alle Behandlungen, die über eine lange Tradition verfügen und echte Naturfaktoren einsetzen wie zum Beispiel die Hydrotherapie (Wasser), Thermo- (Wärme), Phyto- (Pflanzen), Licht- und ebenfalls die physikalischen Therapien.
Unter dem Begriff „Erweiterte Naturheilverfahren“ fallen die Methoden, die in Nachahmung natürlicher Prozesse Heilungsprozesse in Gang setzen wie zum Beispiel die ausleitenden Verfahren, die Eigenblutbehandlung und die Neuraltherapie.
TCM (traditionell chinesische Medizin) mit Tai-Chi, Qigong, Akupunktur, Akupressur etc. Die Homöopathie, Ayurveda, und die anthroposophische Medizin werden als eigenständige Therapierichtungen gesehen.
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Bei Lebererkrankungen, wie auch bei einer chronischen Virushepatitis sollten naturheilkundliche/alternative Therapien berücksichtigt werden, obwohl dadurch keine Heilung, d.h. eine Viruselimination zu erwarten ist. Silymarin und Extrakte traditioneller Leberheilmittel wie Glycyrrhizin und Oximatrine scheinen günstige Effekte vor allem auf die Fibroseentwicklung in der Leber zu haben. Bei Mangelzuständen, durch Kontrolle des jeweiligen Blutwertes nachzuweisen, sollten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die antioxidativ wirken, also sog. Radikalenfänger sind, wie die Vitamine C und E, Karotinoide, Selen und Zink eingenommen werden. Grundsätzlich allerdings raten wir, Anwendung und Einnahme von alternativen Heilmitteln mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Wünschenswert wäre ein Miteinander von Schul- und Alternativmedizin. Ein verantwortungsbewusster naturheilkundlich praktizierender Arzt wird immer die Frage nach den Behandlungsmöglichkeiten der Schulmedizin stellen und danach, ob diese abgeklärt bzw. bereits in Anspruch genommen wurden. Umgekehrt wird sich ein kompetenter Schulmediziner nicht dem Wunsch des Patienten nach komplementärer, d.h. ergänzender Behandlung mit naturheilkundlichen, zum Teil auch unkonventionellen Therapieverfahren verschließen.
Leberentzündungen naturheilkundlich behandeln
Die Leber – das Kraftwerk in unserem Körper
In einem ausführlichen Beitrag für eines der führenden Fachmagazine im Bereich der komplementären Medizin hat sich der Autor dieser Internetseiten mit dem Organ „Leber“, ihren Erkrankungen und den Behandlungsmöglichkeiten sowie mit der Sichtweise der Naturheilkunde befasst. Der Beitrag gliedert sich in fünf Teile mit einer Zusammenfassung.
In dieser Spalte finden Sie immer Hinweise und Informationen zu aktuellen Ereignissen, Veranstaltungen und Neuigkeiten. So haben Sie die Highlights schnell auf einem Blick!