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„Die kranke Leber“ – Lebererkrankungen wie erkennen, wie behandeln?
Informationsveranstaltung am 15. Dezember 2007 im Uniklinikum Ulm
Obwohl die medizinische Klinik am Oberen Eselsberg für die Ulmer Bevölkerung etwas abseits liegt
und trotz drittem Advent waren knapp 200 Interessierte in den Hörsaal gekommen.
„Dies macht wieder einmal deutlich, wie notwendig solche Patiententage sind.“, so Hermann Kuon,
der Ansprechpartner der Hepatitis/Leber-Selbsthilfe Baden-Württemberg in seiner Begrüßung. In
seinen einleitenden Worten wies er besonders auf die
Bedeutung der Leber für den Menschen hin: „Was wir
zu uns nehmen, gelangt in die Leber. Über 1500 Liter
Blut verarbeitet das etwa 1,5 Kilogramm schwere Organ
am Tag. Die Leber baut unermüdlich Kohlenhydrate,
Fette und Eiweiße um und ab, speichert sie und leitet
sie weiter. Sie stellt täglich nahezu 1 Liter Gallenflüssigkeit
her, über den sie den Fettstoffwechsel
beeinflusst. Zu schaffen machen der Leber vor allem
Alkohol, fettreiche Ernährung, Umweltgifte, virale
Infekte und manche Medikamente. Leberleiden gehören
inzwischen zu den häufigsten Organerkrankungen.
In Baden-Württemberg erreichen täglich mehr als 50
Gespannt lauschten dann die Teilnehmer den
Ausführungen von Dr. Nektarios Dikopoulos. Sein Thema
lautete: „ Hepatitis B und C – Was gibt es Neues, was hat
sich bewährt?“ Hinsichtlich der Diagnostik plädierte er für
die Mini-Laparoskopie, für die in Ulm ein eigener OPRaum
bereit steht. Den Einsatz der nichtinvasiven
Untersuchungsmethode mittels Fibroscan sieht er vorrangig in der Verlaufsbeobachtung, bei
Kontraindikationen und, wenn der Patient einer Gewebeentnahme nicht zustimmt. Er würde gern
eine Vergleichsstudie Mini-Laparoskopie, Fibroscan und Ultraschall durchführen. Die wesentlichen Aussagen im Vortrag von Dr. Dikopoulos finden Sie hier
„Autoimmune Hepatitis – Wenn das Immunsystem verrückt spielt“ hieß das Thema, dem sich sehr
anschaulich Dr. med. Dietmar Klass, Assistenzarzt der Inneren Medizin widmete und das auch Dr.
Stefan Klatt, der an einer BNG-Schwerpunktpraxis in Neu-Ulm praktiziert, nochmals in seinem
Vortrag „Leber und Galle – Wenn der Gallefluss ins Stocken gerät“ streifte. So wurden die
Autoimmunhepatitis und die Entzündungen der Gallengänge (PBC und PSC) besonders ausführlich
erläutert. Die wesentlichen Aussagen im Vortrag von Dr. Klass finden Sie hier
In der Pause suchten die Teilnehmer das persönliche Gespräch mit den
Referenten und den Ansprechpartnern der verschiedenen Selbsthilfegruppen
(ein besonderes Lob der SHG Hämochromatose, Frau und Herrn
Steinmann aus Esslingen, die den weiten Weg nach Ulm nicht scheuten)
oder nahmen die Gelegenheit wahr, sich mit anderen Leidensgenossen
auszutauschen. Die Im Foyer ausgelegten Broschüren und Mitgliederhefte
der Selbsthilfe sowie die Patienteninfomationen der teilnehmenden
Pharmaunternehmen fanden viele interessierte Leser, ebenso das bei
dieser Gelegenheit präsentierte, erst vor wenigen Tagen fertiggestellte
Patientenbuch für Hepatitis-C-Kranke von Christiane Hermann. In Kürze
waren auch die kostenlos gereichten Getränke und Häppchen
aufgebraucht.
So gestärkt ging es zum zweiten
Teil wieder in den Hörsaal. Und es wurde gleich spannend:
Frau Müller, Studentin, Universität Karlsruhe präsentierte
die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Welchen
Einfluss hat Sport, moderate regelmäßige Bewegung und
körperliche Aktivität auf den Verlauf einer chronischen
Hepatitis?“ Befragt wurden Hepatitis-Kranke mit und ohne
Behandlung zu ihren Erfahrungen und Eindrücken.
Folgen jahrelanger Leberentzündungen sind Leberzirrhose und Leberkrebs, im weiteren Verlauf
Leberversagen. Das Leben eines so kranken Menschen ist dann nur noch durch eine Transplantation
zu retten. Doch an Spenderorganen herrscht Mangel und viele der Patienten, die dringend eine neue
Leber benötigen, versterben auf der Warteliste. Der vor 14 Jahren lebertransplantierte und heute
67jährige Josef Theiss schilderte in seinem bewegenden Vortrag „Lebertransplantation – Meine neue
Leber, mein neues Leben“ den Weg zur Wiederherstellung
seiner Gesundheit und informierte über den Stand der
Lebertransplantation heute.
Es war Mittag geworden. Nahezu alle Themen rund um das
Kraftwerk Leber und deren wesentliche Krankheiten
wurden von praxis-erfahrenen Experten beleuchtet und den
zahlreichen Teilnehmern näher gebracht. Trotzdem oder
vielleicht gerade deshalb gab es noch einige Fragen, denen
sich die Leberspezialisten in einer abschließenden
Diskussionsrunde stellten.
Mit solchen Veranstaltungen, von denen erstmals auch der
SWR4-Hörfunk live in Interviews mit Referenten, Leberkranken
und Teilnehmern in seiner Mittagssendung berichtete, kann
zumindest teilweise der berechtigten Kritik einer Teilnehmerin, dass über
die Leber so wenig in der Öffentlichkeit zu lesen und zu hören ist, entgegengewirkt
werden.
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